Christel Muus

 

 

 

Auszug aus dem Katalog GARDEROBE - Edition Art Lexikon 17

 

 

Bilder haben eine eigene Wirklichkeit

 

Was niemand geben und was niemand nehmen kann ist der innere Auftrag, gewissermaßen eine angelegte Begabung der Kreativität eines Menschen, die als besondere Kostbarkeit von der jeweiligen Person meistens nicht erkannt wird. Vielmehr glaubt man selbst in der Welt der Maßstäbe, des allgemein Üblichen, der Mehrheit, die von denen man vielleicht zu sagen geneigt ist, dass sie dem allgemeinen Bild des Richtigseins entsprechen meistens mehr, als dem eigenen inneren Impuls.

Wenn einem die Lebensfügungen holt sind und man noch einen Funken Mut und Entschlossenheit dazu gibt, dann kann es gelingen.

 

Ein gelebter Traum kann sichtbar werden für einen selbst und andere. Ganz gleich um was es sich handelt. Manche Menschen wagen die wildesten Abenteuer, halsbrecherische Sportarten verführen Bewegungswillige über sich hinaus zu wachsen um real wagemutig Ziele zu erreichen unter Einsatz des eigenen Lebens, aber auch der anderen, die dann zu Hilfe eilen müssen, wenn das Experiment gescheitert ist.

 

So winden sich immer wieder und in vielfältiger Gestalt die Lebenslinien kreuz und quer, über alles weg, bis zum letzten Atemzug, denn nichts Anderes ist es was uns in Wahrheit zu beschäftigen hat.

 

Besonders erfüllend kann es sein, wenn man mit bildnerischen Mitteln unterwegs ist. Wenn Leinwand und Papier den Untergrund des Daseins symbolisieren, Pinsel und Spachtel die Ruder und das eigene Selbst der Antrieb sind.

 

Dann kann man im direkten Kontakt mit der kostbaren Qualität des Unbewusstseins als Vermittler oder besser noch Hüter der Schwelle auftreten. Versteht man sich als der zu letzt genannte, dann geht man behutsam mit dieser Aufgabe um und verteidigt die Besonderheit gegenüber denjenigen, die es ob ihrer Realitätsbezogenheit besser zu wissen glauben.

Versteht man sich als Vermittler, dann kann man sich im Territorium der Kunst aufhalten, interessante Gespräche führen und viele spannende Aspekte erleben und durchdenken. Den Zugang zu einem wohlwollenden, Überraschenden und authentisch funktionierenden Unbewusstsein kann jedoch gerade durch das Denken verschlossen werden, das Wollen und Besserwissen und erst recht erfolgsgarantierte Spekulationen schließen die Tür zur Welt der Wunder endgültig.

 

Beim Anschauen der Bilder hat Christel Muus den Betrachter schon bei der Hand genommen sich dem Taumel der Bilderwelten hinzugeben. Den Boden unter den Füßen bereits verlassen verlocken vielfältige Ebenen und Farbräume zu einer visuellen Reise ins Trapez des Lebens. Formen, Linien und Farben bilden ein Geflecht mit den Möglichkeiten der Malerei und doch formen sich stets menschliche Existenzen heraus, die phantasievoll bekleidet sich abheben vom Untergrund um gleichwohl in schwindelende Höhen oder Tiefen zu gelangen. Flüchtig und ohne Verpflichtung nach Wiederkehr begegnen Einem die Geschöpfe der Kulturen, springend, laufend, tanzend immer in Bewegung. Jedes Bild ist ein Einzelstück und trägt in sich eine eigene Vergangenheit. Unbenommen der Möglichkeit im Rahmen einer Bildbeschreibung einem Inhalt auf die Spur zu kommen, entziehen sich die Darstellungen einer Deutung nach Wertung von Sinn und Zweck. Assoziationen entstehen und die Darstellung des Bildes entfaltet sich in der Phantasie des Gegenübers auf unterschiedliche Weise. So können Farbkompositionen Erinnerungen und Gefühle erzeugen oder Beispiele aus der Kunstgeschichte auf den Plan rufen.

Die Anmutungen eines auf und absinkenden Schwarms, dessen Sog schwindelnde Höhen simulieren kann, ist genauso legitim wie das Aufzählen von Farbpunkten, die auf den Leinwandflächen angebracht sind und in ihrer Wirkung Vergleichbares hervorrufen.

Es geht ums Mitreisen ins freie, farbenprächtige Land der Phantasie.

 

 

Carmen Oberst, Hamburgr 2019