PHOTO.KUNST.RAUM. HAMBURG - SCHLOSS BRUCHSAL

 

 

 

 

DORIS BUHLINGER

 

Die vier Elemente – Spiegel der Beziehung zwischen Natur und Mensch

 

Schloss Bruchsal

 

Das seit 1720 von Damian Hugo von Schönborn erbaute Schloss wird nach dem 2ten Weltkrieg wiederaufgebaut. Ein letzter großer Komplex ist im Mai 2017 wieder eröffnet worden. Die rekonstruierte ursprüngliche Raumfolge der Belle Etage ermöglicht einen umfangreichen Einblick in verschiedene Ausstattungsphasen. Je nach Vorliebe lassen die fünf Herrscher neu dekoriert und zeitgemäß ausgestattet, auch den Schlossgarten. Neben den vier Jahreszeiten die vier Elemente in der Hauptachse aufgestellt. Sie sind seit 1759 Wind, Regen, Erdbeben und dem Feuer nach der Bombardierung der Stadt ausgesetzt. Die im Original erhaltenen „Vier Elemente“ wurden aus konservatorischen Gründen in die Sala Terrena verbracht.

 

Die Luft ausgestattet mit Darstellungen der vier Winde, Musikinstrumenten, Windspiel und Fächer. Der Körper der Steinskulptur ist in ein sich aufbauschendes Gewand gehüllt, das lose gegürtet in alle vier Himmelsrichtungen zu flattern scheint, die Frisur ist vom Sturm aufgelöst, der Adler - König der Lüfte ist ihr beigefügt.

 

Das Feuer wird ebenfalls als Frauenfigur dargestellt. Sie hält eine gusseiserne Schüssel in den Händen, aus der Flammen herauszüngeln. Ihr tierisches Attribut sitzt zu ihren Füßen in einer Feuerstelle. Das Tier wird schon in der Antike als Feuerzeichen verwendet. Zwei von den drei Szenen der Sockelreliefs zeigen positive Aspekte des Elements. Auf dem dritten Sockelfeld brennt ein Haus vom Blitz getroffen vollkommen nieder – die zerstörerische Kraft des Feuers.

 

Die Erde trägt eine Steinkrone auf dem Haupt und das Füllhorn in den Händen. Der Löwen, König der Erde, ist Begleiter der steinbekrönte Erde, die hält ein Füllhorn mit Blüten und Früchten hält. Gemüse und Ackergerät zeigen ihren lebensspenden Aspekt, das zerstörte Mauerwerk eines Gebäudes die verheerende Seite des Elementes.

 

Neben Dreizack und Fisch bilden Wellen, Springbrunnen, Kahn, Wehr und Angel die Vielschichtigkeit des Wassers ab. Auch hier ein Feld das die zerstörerische Gewalt des Elements spiegelt.

 

Seit der Steinzeit versucht der Mensch durch die Auseinandersetzung mit der Natur die positiven und negativen Eigenschaften der Elemente für sich zu Nutzen und einzuschätzen. Die Neubewertung und Wiederaufnahme antiker Erkenntnisse in der Renaissance führt zu Weiterentwicklung der Wissenschaften und Erfindungen, die die vier Elemente beherrschbar machen sollen.

Die Erfindung des Blitzableiters durch Benjamin Franklin, die Bewässerung der Felder durch mit Wehren angestaute Kanäle, das gezielte Einsetzen von Wasserbaumeistern oder das im Bruchsaler Schlossareal etablierte Wasserleitungssystem von Baltasar Neumann sind nur wenige Beispiele für die enorme Entwicklungskraft der Zeit.

 

Katastrophen, die von Naturgewalten hervorrufen werden, gelten als Bestrafung Gottes. Durch das „archäologisches Suchen, Finden und Bewerten“ der bereits im menschlichen Gedächtnis vorhanden Erkenntnisse, werden Denkprozesse angeregt, aus denen sich Fortschritte nähren, die auf die Beherrschbarkeit der Naturgewalten weiterwirken. Das Verhältnis zwischen Mensch und Natur wird neu bewertet, weil jetzt Naturphänomene erklärbar werden.

 

Die vier Elemente zeigen all dies. Der dem Amüsement dienende Springbrunnen im Gegensatz zum Schiffsbruch. Das Feuer als Licht- und Wärmespender, aber auch die Feuerstbrunst. Die Ruine nach dem Erdbeben. Die zum Sturm entfesselten Winde stehen dem Windspiel gegenüber.  Im Barocken Garten aufgestellt, scheinen sie gewissermaßen dem Absolutismus ihres Zeitalters untergeordnet.

 

Diesen absoluten Herrschaftsanspruch übernehmen wir für uns. In nie da gewesener Weise werden die Ressourcen der Erde ausgebeutet. Hinter dem wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt bleibt die Einschätzung der Konsequenzen zurück. Umweltverschmutzung und Klimawandel werden heute als weitere Faktoren für Naturereignisse angeführt, die immer verheerendere Wirkungen zeigen: Überschwemmungen, Erdrutsche, durch Erdbeben ausgelöster Tsunami oder Stürme, die Wälder ganzer Landstriche entwurzeln und vieles mehr. Die Naturgewalten sind entfesselt und keineswegs beherrschbar. Ein Umdenken scheint schwer zu gelingen. Dazu müssten wir in der Vergangenheit die Fehler suchen. Archäologie für die Zukunft also.

 

Textauszug Doris Buhlinger, 2018 –

Katalog ELEMENTE, Carmen Oberst Edition Art Lexikon 16

 

Präsentation 13. Mai 2018 – Internationaler Museumstag im Schloss Bruchsal