Immanuelkirche Wedel - Jubiläum 2014

CHRISTIAN ZUTHER, Zeichnungen und Filmprojektionen Installation im Turm der Immanuelkirche Wedel, 31. Mai - 6. Juni 2014, anlässlich des Jubiläums

Die Kirche im Dorf lassen – Künstler und Küster

Gedanken zur Installation von Christian Zuther –

Susanne Huchzermeier-Bock, Pastorin in Wedel

 

Bei den Vorbereitungen für die Ausstellung Rasen(de) Bauwerke kam im Spätsommer 2013 auch die Wedeler Immanuelkirche direkt gegenüber vom Stadtmuseum in den Blick und spontan ins fingerfertige Spiel. Mit wenigen Handgriffen und zum Teil auch aufwändiger Installation setzten die Photokünstler und –künstlerinnen gemeinsam mit dem Küster die Kirche in Szene.

 

Die Immanuelkirche steht 2014 für ein Jubiläum: „700 Jahre Kirchspiel“. Aus dem April 1314 werden in zwei Urkunden sowohl ein Pastor der Kirche als auch das Kirchspiel zu Wedel erstmalig erwähnt. Die damals nur beiläufigen Bemerkungen dienen heute als Beleg für die lange Existenz des Kirchspiels, zu dem nicht nur die heutige Stadt Wedel, sondern auch das Dorf Holm gehört – nicht nur eine Kirche, sondern gleich fünf ökumenische Partnerinnen.

 

Wie die erste Kirche in Wedel ausgesehen hat, weiß niemand. Spekulationen zufolge könnte sie zunächst aus Holz gefertigt gewesen sein oder auch ganz woanders als heute auf einer Anhöhe gestanden haben. Für die Hatzburg in der Marsch wurde 1398 eine Kapelle gestiftet, die Kirche war offenbar schon älter – eine Stiftungsurkunde gibt es nur für die Kapelle.

 

Erst aus der Nachreformationszeit gibt es konkrete Quellen für die Kirchengemeinde. Demnach brannte die Kirche dreimal vollständig nieder oder wurde aufgrund anderer widriger Umstände zerstört. Stets und schließlich aus Holz, Glas und Stein wurde sie wieder neu erbaut: Brand 1612 – Wiederaufbau 1613. 1648 Zerstörung des Turms im Frühjahr durch einen Orkan - schon im Juni war er wieder aufgerichtet. 1762 Abbruch der Kirche wegen Baufälligkeit, von 1762-1770 der Neubau. 1837 wurde dieser erneut ein Raub der Flammen und wiederum so schnell wie möglich auf den alten Ringmauern neu errichtet. Die letzte große Zerstörung brachte das Jahr 1943 während des 2. Weltkrieges mit sich. Die Kirche war durch erhebliche Fliegerbombenangriffe bis auf die Grundmauern niedergebrannt, der Turm unter furchtbarem Getöse eingestürzt. Erst 1950 wurde die Kirche neu eingeweiht. Wie viele Menschen war die Kirchengemeinde in der Zwischenzeit auf eine Notunterkunft in einer Holzbaracke angewiesen. Man verzichtete 1950 auf einen hohen Turm – jahrzehntelang stand ein schlichter Turm als Mahnmal für die Schrecken von Krieg und Zerstörung. 1997 gründete sich ein Verein zum Wiederaufbau des Kirchturms. Ein Drittel der Bausumme wurde in der Wedeler Bevölkerung mobilisiert und für die anderen zwei Drittel Mittel und Wege gesucht, bis sie zur Verfügung standen. 2007 begannen die Bauarbeiten – 2009 wurde der neue Turm eingeweiht. Im 700. Jubiläumsjahr des Kirchspiels feiert der Turm sein eigenes kleines Jubiläum: 5 Jahre steht er jetzt schon mit neuer Würde für alte Werte. Wie ein Finger, der sich sichtbar zum Himmel streckt, meldet sich die alte Kirche leise zu Wort: „Hier bin ich“ – schon von weitem und sogar jenseits der Elbe zu sehen.

 

Sieben Jahrhunderte lang und mehr haben Menschen dafür gesorgt, die Kirche im Dorf zu lassen oder wieder neu aufzubauen ... mit beeindruckender Schnelligkeit oder auch notgedrungener Langsamkeit.

Christian Zuther, Carmen Oberst und ihr PHOTO.KUNST.RAUM.Team haben Kirche und Turm im Spätsommer 2013 wiegesagt spontan photographisch und künstlerisch in Szene gesetzt.

 

Die Fotos davon lassen Raum für eigene Gedanken: Kirche – ein Fenster zum Himmel? Ein Ort für Arbeit und Kunst, die den Alltag unterbricht und dem gewohnten Blick neue Perspektiven eröffnet. Wie zum Trocknen hängen die Bilder von Christian Zuther auf Stahlseilen ganz oben auf dem Kirchturm wie Laken auf den Leinen eines ganz normalen Dachbodens und bewegen sich, wenn man vorübergeht.

 

Vom 31. Mai bis zum 9. Juni 2014 und zur Finissage der Ausstellung Rasen(de) Bauwerke am 23. August ist seine Installation in der Immanuelkirche öffentlich zu sehen ... inzwischen ergänzt um weitere Ideen und Inspirationen.